
Ist glutenfreie Ernährung sinnvoll oder ein haltloser Hype?
Seit über 15 Jahren ernähre ich mich vegan und in dieser Zeit habe ich so einige Ernährungstrends mitbekommen. Vieles kommt für ein paar Jahre und vergeht schnell wieder. Manche Empfehlung bleibt und wird wissenschaftlich belegt. Nach neuesten Studien haben nur 0,9% der deutschen Bevölkerung eine Glutenintoleranz und trotzdem hat das Thema "Glutenfrei" den Mainstream erreicht. Klar ist, für betroffene Menschen, ist Gluten ein Problem. Aber wie sieht es mit Menschen aus, die Gluten meiden, ohne selbst Zölliakie zu haben?
Was ist Gluten?
Gluten ist ein Sammelbegriff für Proteine, die in manchen Getreidesorten und Samen enthalten sind.
Fakt Nr. 1: Jeder mit nachgewiesener Zöliakie oder Glutenintoleranz sollte Gluten meiden. Gefühlt hat jedoch jeder Dritte eine Glutenintoleranz. Diese Vermutung ist darauf zurückzuführen, dass viele Menschen moderne Backwaren und Fertiggerichte nicht gut vertragen.
Fakt Nr. 2: 99% der Menschen können Gluten gut vertragen.
Vermutung: Es gibt vielleicht andere Gründe, warum Weizenprodukte nicht gut vertragen werden.

Warum Weizenprodukte nicht gut vertragen werden
Moderne Backwaren schmecken lecker, sind weich und billig. Aus ernährungsphysiologischer Perspektive weisen moderne Backwaren jedoch signifikante Nachteile auf. Ich habe für euch die 4 elementaren Nachteile von modernen Backwaren zusammengetragen. Hier wird besonders deutlich, dass "Gluten" nicht das Hauptproblem von Unverträglichkeiten ist und das erklärt auch, warum zum Beispiel gekeimter Oberkulmer Rotkorn eine Alternative sein könnte.
1. Hoher Stärke Gehalt
In Getreide ist viel Stärke enthalten. Stärke ist ein komplexes Kohlenhydrat. Komplexe Kohlenhydrate müssen in kürzere Zuckerketten zerlegt werden, damit sie der menschliche Stoffwechsel optimal nutzen kann. Durch das im Speichel enthaltene Enzym α-Amylase wird Stärke in Disaccharide und schließlich in Glucose umgewandelt. Dies passiert nur durch ausreichendes Kauen (ca. 50 Mal) und die meisten Menschen kauen die bereits weichen Getreideprodukte vom Bäcker nicht ausreichend. Zudem produziert der Mensch nicht genügend α-Amylase um viel Stärke abzubauen. Im Keimprozess wird Stärke durch die Enzymaktivität nach dem Einweichen jedoch in Disaccharide zerlegt und somit "vorverdaut".
2. Niedriger Gehalt an Vitamin B1
Der Vitamin B1 Gehalt in normalen Getreideprodukten ist zu gering. Vitamin B1 ist notwendig für einen funktionierenden Kohlenhydrat-Stoffwechsel. Wenn Kohlenhydrate konsumiert werden und zu wenig Vitamin B1 in den Nahrungsmitteln bereit steht, können die enthaltenen Kohlenhydrate nicht gut verstoffwechselt werden. Deswegen ist z.B. Babynahrung per Gesetz mit Thiamin (B1) vitaminisiert. Selbst Vollkorngetreide hat nicht genug Vitamin B1 für den erforderlichen Mindestwert. Bei Weißmehlprodukten wurde durch das Entfernen der Getreideschale das Vitamin B1 sogar komplett eliminiert. Durch den Keimprozess potenzieren sich Vitamine. Getreidesprossen enthalten mehr Vitamin B1 und unterstützen auf diese Weise die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten.

3. Gluten ist nicht gleich Gluten
Insbesondere Urgetreide Sorten wie der Urdinkel Oberkulmer Rotkorn wird von manchen Menschen genutzt, die angeben, dass sie ansonsten mit Gluten ein Problem haben (hierbei geht es nicht um Zölliakie). Moderne Dinkelsorten sind mit Weizen gekreuzt, wohingegen Oberkulmer Rotkorn weniger als 0,01% Weizeneinkreuzungen hat und somit wirklich unverzüchtet ist. Die spezifische Proteinkombination im Dinkel unterscheidet sich wesentlich von der Aminosäurenstruktur von Weizen. In Dinkel sind Prolamine und Gluteline enthalten, in Weizen jedoch Gluteline und Glutenin. Gliadin ist in Dinkel nicht enthalten.
4. Insektizide schaden Darmbakterien
In mehreren Studien wurde die Frage aufgeworfen dass Xenobiotika (dem natürlichen Ökosystemen fremde Stoffe) die Darmschleimhaut schädigen könnten. Insektizide könnten eine Abnahme von Laktobazillen und Bifidusbakterien verursachen, so dass weniger Darmbakterien existieren, was wiederum zu einer schlechteren Verdauung führen könnte. In der konventionellen Landwirtschaft werden Insektizide routinemäßig angewendet. Die meisten Bäckereien backen nicht mit biologisch angebautem Getreide. Von knapp 11.000 deutschen Bäckereien haben nur 800 auch Bioprodukte im Angebot.
Glutenfreie Produkte von AHO
Aus den aufgezeigten Gründen haben wir uns für Menschen ohne Zölliakie für Oberkulmer Rotkorn als Grundlage für unsere AHO Cracker und unser Sprossen Mehl entschieden. Für Menschen mit Zölliakie haben wir Alternativr viele glutenfreie Produkte zur Auswahl und arbeiten weiter an neuen Lebensmitteln aus dem glutenfreien Knöterichgewächs Buchweizen.
Der Glutenfrei-Hype hat viele positive Seiten
Ich hoffe, dass ich etwas Licht ins Dunkel bringen konnte. Mir ist es immer wichtig, dass Trends und Hypes auch eine wissenschaftliche Grundlage haben. Der Glutenfrei-Trend hat sicherlich seine positiven Seiten, weil Menschen dadurch generell ihre ungesunden Essgewohnheiten in Frage stellen. Wenn man differenzierter hinschaut, ist aber Gluten meist gar nicht das Problem, sondern die moderne Art und Weise wie wir mit Lebensmitteln umgehen.

2 Kommentaren
Hey Karin, bisher haben wir nur gutes Feedback zu unseren Broten von Menschen mit Histaminunverträglichkeiten. Schreib uns gerne, wie es dir damit geht. Wenn du sie nicht verträgst, erstatten wir dir gerne das Geld zurück. Liebe Grüße Jannis
Hi, ich habe gerade 5X Brote bei Ihnen bestellt in der Hoffnung das ich die vertrage mit eine Histamin Intoleranz, da sie die in euere Beiträge zur Histamin Intoleranz nicht erwähnt haben, bin ich jetzt skeptischer 🤷♀️. Danke